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Das Brauchtum der Hexe bei Krampusläufen

Krampusläufe sind ein fester Bestandteil des alpenländischen Winterbrauchtums und finden vor allem in Österreich, Bayern, Südtirol und Teilen Sloweniens statt. Neben dem bekannten Krampus – einer dämonischen Gestalt, die den heiligen Nikolaus begleitet – treten bei vielen Läufen auch Hexenfiguren auf. Diese haben eine eigenständige, tief verwurzelte symbolische Bedeutung.

Historische Wurzeln der Hexenfigur

Die Hexe bei Krampusläufen geht auf vorchristliche, heidnische Vorstellungen zurück. In alten alpinen Kulturen glaubte man an Naturgeister, Dämonen und weibliche Wesen, die mit Winter, Tod, Fruchtbarkeit und Magie verbunden waren. Diese Gestalten sollten einerseits gefürchtet, andererseits respektiert werden.

Mit der Christianisierung wurden diese alten Wesen oft zu negativen Figuren umgedeutet. Die Hexe wurde zur Verkörperung von Chaos, Versuchung und unkontrollierbarer Natur – Eigenschaften, die gut in das dämonische Umfeld des Krampus passen.

Rolle der Hexe im Krampuslauf

Im Kontext des Krampuslaufs übernimmt die Hexe mehrere symbolische Rollen:

  • Begleiterin des Chaos: Während der Krampus rohe, animalische Gewalt darstellt, verkörpert die Hexe listige, berechnende Unruhe und magische Bedrohung.
  • Grenzgängerin: Sie steht zwischen Leben und Tod, Ordnung und Chaos, Gut und Böse.
  • Prüfende Figur: Ähnlich wie der Krampus hält sie den Menschen symbolisch einen Spiegel vor – für Laster, Ungehorsam und Respektlosigkeit.

In manchen Regionen wird die Hexe auch als Anführerin oder Beschwörerin der Krampusse dargestellt, die diese „herbeiruft“ oder lenkt.

Erscheinungsbild und Kostüm

Das Kostüm der Hexe ist meist stark überzeichnet und furchteinflößend:

  • Alte, runzlige Masken mit Hakennase, Warzen und schiefen Zähnen
  • Lange, zottelige Haare oder Kopftücher
  • Dunkle, zerlumpte Gewänder
  • Requisiten wie Besen, Stöcke, Ketten, Laternen oder Kessel

Diese Darstellung soll bewusst abschreckend wirken und die archaische Angst vor dem Unbekannten wachrufen.

Hexen
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Verhalten während des Laufs

Hexen agieren oft interaktiv mit dem Publikum:

  • Sie schreien, lachen höhnisch oder murmeln Flüche
  • Sie erschrecken Zuschauer, besonders Kinder (je nach Veranstaltung angepasst)
  • Sie treiben die Krampusse an oder „spielen“ mit ihnen

Dabei ist ihr Auftreten meist weniger körperlich brutal als das des Krampus, dafür psychologisch eindringlicher.

Regionale Unterschiede

Nicht jeder Krampuslauf kennt Hexenfiguren. In manchen Gegenden sind sie ein fester Bestandteil, in anderen fehlen sie ganz. Teilweise werden Hexen auch mit Perchtenläufen oder Rauhnachtsbräuchen vermischt, da sich diese Traditionen historisch überschneiden.

Bedeutung im heutigen Brauchtum

Heute sind Hexen bei Krampusläufen vor allem:

  • Ein ästhetisches und dramaturgisches Element
  • Ausdruck von Traditionspflege und regionaler Identität
  • Eine Verbindung zwischen heidnischer Mythologie und modernem Brauchtum

Gleichzeitig wird in vielen Vereinen darauf geachtet, dass das Auftreten der Hexen – wie auch der Krampusse – kontrolliert und respektvoll bleibt.

Bilder: Georg Bigger objektivblick.ch

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